Heike Reinemann

lebt und arbeitet als Grafikerin und Fotokünstlerin in Dortmund.

Der Umgang mit digitalen Medien ist für sie alltäglich. Durch ihre Tätigkeit als Grafikerin in der Werbebranche verfolgt sie die technischen Entwicklungen der digitalen Bildbearbeitung und integriert sie kontinuierlich in ihre künstlerische Arbeit. Aus der Selbstverständlichkeit des Umgangs mit dem Medium ist eine Art „Handwerkszeug“ entstanden, dass sie konsequent zur Herausbildung eines eigenen Foto-Stils benutzt. Heike Reinemann setzt die technischen Möglichkeiten zielgerichtet ein – mal sparsam, mal expressiv.

Zu ihren immer wieder verwendeten Motiven zählen teildemontierte Industrieanlagen, marode Fertigungshallen, ausgediente Stühle, achtlos abgelegte Arbeitsutensilien und Gegenstände des täglichen Lebens.

Heike Reinemann hält alles im Bild fest, dokumentiert und transformiert eine komplette Industriebrache in den Rechner. Und hier geht es dann so richtig zur Sache: Da werden Bits zu Bites und Pixel in den Park geschicktDa werden Ebenen verschoben und Sichtachsen neu verlegt. Mit Respekt vor der industriellen Vergangenheit, aber auch mit viel Fantasie entwickelt sie ihre Auffassung von „Industriereportage“.

Die Fotoserie „Alter Freund Phoenix“ ist so ein Beispiel. Auf verschiedenen Tauchgängen – so nennt sie ihre Motivsuche auf dem Gelände des zukünftigen Phoenix-Sees –  sammelt sie mit der Kamera alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Verdichtung der festgehaltenen Szenerie mit Hilfe digitaler Bildbearbeitungsprogramme führt zu Irritationen. Spiegelungen geben Einblicke in malerische Fantasiewelten mit industriellem Hintergrund. Farbkombinationen lassen  neue, surreale Anmutungen entstehen, wo eigentlich nur Rudimente eines Stahlwerkes stehen. Das scheinbar vertraute Umfeld erfährt eine neue Definition.

Reinemann schafft in einem Moment apokalyptische Szenarien und holt uns im nächsten Augenblick mit verspielt romantischen Bildinszenierungen in eine Idylle zurück, die so nie existierte. Das ist frech, provozierend, aber immer dicht am Thema: der permanente Strukturwandel einer ehemaligen Industrieregion, der neue Herausforderungen an jeden stellt, der hier lebt. Da sind Kreativität, Mut und Durchhaltevermögen gefragt.

Heike Reinemann hat das Glück, als Kind des Ruhrgebiets alles in die Wiege gelegt bekommen zu haben.

Text: Udo Brosko

Heike Reinemann

Fineart Print

Limitiert und signiert, Auflage 30 Stück, als Blatt, gerahmt oder auf Leinwand